Ralf Schalk Erinnerungen

thumbs_jcp-rs-13


 

Peter (Crow) Schopohl:

“Still wird´s! Und als den tiefen Frieden ein
leises Wehen jetzt durchzog, da mochte es sein,
dass abgeschieden die Erdenseele aufwärts flog”
Theodor Fontane

Was bleibt sind die Erinnerungen an

… einen langjährigen musikalischen Weggefährten
… sein unverwechselbares Gitarrenspiel
… seine Ruhe vor dem “Sturm”
… seine unendliche Toleranz und Gelassenheit
… seine absolute Freundlichkeit
… eine “abenteuerliche” Reise nach Irland (Newbridge) mit der Mantelband und
… weitere Erlebnisse bei Proben und gemeinsamen Auftritten

Durch Ihn lernte ich neue Band´s und musikalische Herausforderungen kennen.

Goodby RALF and God bless you


Rainer Schallenberg:

Zum Tod von Ralf Schalk, Gitarrist und Mitbegründer des Jazz-Clubs Paderborn

Mein Freund Ralf Schalk ist am 17. Februar  völlig unerwartet nach einem Herzinfarkt gestorben. Sein plötzlicher Tod hat uns alle, seine Freunde wie die Paderborner Musikszene, sehr getroffen. Ich habe einen Weggefährten, mit dem ich seit meiner Jugend befreundet war, verloren und mit ihm zugleich den besten Gitarristen, mit dem ich je gespielt habe. Wir haben unsere Passion, die Musik, zusammen gelebt und uns gegenseitig inspiriert. Als Gründungsmitglied des Jazz-Clubs hat Ralf Schalk von der ersten Stunde an unseren Klub mit seinem unverwechselbaren Gitarrensound mitgeprägt. Schon die erste Großveranstaltung des Klubs, eine Jazz Night in der Paderhalle im November 1982, sah ihn auf der Bühne, zusammen mit Toto Blanke und Rudolf Dasek. Viele Auftritte mit seiner langjährigen Gruppe Mere Music, mit Simple Present und dem RSQ folgten, von den zahlreichen Sessions im Klub ganz abgesehen.


Ralph Mantel:

Vielleicht weiß niemand so genau das unser Ralfi eine Ader für schöne alte Autos gehabt hat. Toll fand er immer einen alten porsche 911 der ersten serie. Ich kann mich noch an so manche, schöne ausfahrt im oldtimer mit ihm erinnern….. Ralf kenne ich seit knapp 30 Jahren. Ich war Stift in der Uni Paderborn, und er oben im Elektronik Labor. Hat mir damals schon geholfen meine Lautsprecherschaltungen auszutüfteln. Dann lange lange Jahre nicht gesehen. Irgendwann wiedergetroffen; er saß an der Paderschenke und drehte sich Eine. Nettes Gespräch gehabt und paar Wochen später haben wir wieder zusammen getüfftelt, an Lautsprechern für RCM.

Irgendwann hab ich ihn mal gefragt ob wir mal zusammen im Kämmerlein spielen wollen. Hatte mir gerade ein Klavier gekauft, Spätzünder……glaube er fand das ganz witzig. Haben Sachen von Tom Waits gespielt. Den kannte er bis dato nicht. Er dachte sofort an unseren Tom Waits aus Hövelhof, Peter die Krähe. Und schon war die Mantelband fertig. Michl noch mit dabei! Es ist ganz einfach; ohne unseren Ralfi würde ich heute nicht auf einer Bühne stehen. Hätte mich nie getraut ohne seinen freundlichen Zuspruch. Dafür bin ich Ihm unendlich dankar!! Denn was wär das Leben ohne Musik, Leute!!?? Dass unser Ralf ein ganz besonders feiner war haben die anderen Jungs ja schon geschrieben. Und so seh ich das auch!

Machs gut Ralfi, wie auch immer es jetzt weitergeht!

Ralph Mantel


Achim Pollmann:

Ralf war als Gitarrist eine Instanz in der Jazz- Szene, geschätzt von Musikern aus unterschiedlichen „Lagern“. Was ihn auszeichnete, war von Anfang an, -seit den Siebziger Jahren- sein durchgehend hohes Niveau als Gitarrist und dass er jeder Band seinen persönlichen Stempel aufdrückte. Er hatte eine unverwechselbare Art zu improvisieren: nicht aufdringlich, nicht laut und schnell oder aufgrund von Fingerfertigkeit, sondern geschmackvoll und der Musik angemessen. Er hatte den Blues im Gitarrenspiel und verfügte über die nötige Inspiration und das alles ohne eine klassische Ausbildung. Darüberhinaus hatte er ein Gespür für den richtigen Klang, Geschmack und ein Gefühl für die richtige Mischung in einer Combo. Seine Ideen führten zu zahlreichen außergewöhnlich gelungen Kompositionen, die ins Ohr gingen ohne gefällig zu sein. Immer, wenn man glaubte, eine Melodie zu kennen gab es überraschende Wendungen, ungewohnte Breaks, ungerade Rhythmen oder vorwärtstreibende Riffs. Seine Vielseitigkeit habe ich immer bewundert: Er spielte Rock ’n Roll mit Bill Ramsey genauso wie durcharrangierte Musik im Theater oder er improvisierte mit Toto Blanke. Im Jazz und Jazzrock war er ebenso zu Hause wie im Bossa Nova oder in einem Beatlessong. Darüber hinaus war er in der Paderborner Szene in zahlreichen Bands und Big Bands tätig. Er spielte Kompositionen aller Couleur, auch eigene Kompositionen und immer wieder gerne Balladen. Typisch für Ralfs Gitarrentechnik waren seine speziellen Riffs und „kaputte“ Rhythmen, die er im Schlaf mit traumwandlerischem Timing spielen konnte. Gerne bearbeitete er auch Klassiker, ob von Jobim oder John Lennon/Paul McCartney. Doch die eingängigen Melodien nahm er gerne aufs Korn, er schnitt etwas ab oder fügte einen Takt hinzu, so dass es nicht zu gewohnt klang. Bei seinem Talent schieden sich nicht die Geister…

Er hatte immer den SCHALK im RALF. Es war stets ein Vergnügen ihn zu treffen. Nach einer Minute gab es schon was zu lachen und wenn es nur seine klassischen Wortverdreher waren: aus Achim machte er Achmet, aus JohnMcLaughlin den „Schotten“, aus Allan Holdsworth, „Allan Holzwurm“…

Ich kannte ihn über 40 Jahre, gestritten haben wir uns nie. Doch auch, wenn wir uns zeitweise selten sahen, die Kommunikation war immer auf Augenhöhe. Bescheidenheit war eine seiner Stärken. Passende Randbemerkungen gab er gerne von sich: Er konnte mit knappen Worten wichtige Erkenntnisse zusammenfassen oder ein Ereignis, ein Konzert oder eine Person prägnant beschreiben… Stets vertrat er einen klaren Standpunkt.

M.a.W. er war ein einzigartiger Mensch, eine markante Persönlichkeit, nicht einer unter vielen, immer mit beiden Beinen auf dem Boden, häufig rastlos aber niemals respektlos! Wir werden ihn sehr vermissen.


Bernd (Benny) Düring:

Ich lernt Ralf etwa Mitte der siebziger Jahre kennen. Wir haben uns in der damaligen Mensa des ingenieurwissenschaftlichen Instituts der Uni Paderborn getroffen und haben über einen möglichen Auftritt auf dem Diemel – Festival in Marsberg gesprochen. Er ist dann tatsächlich mit seinem Trio (Norbert (der ältere Bruder von Dieter) Nowak, Kalle Noltenhans und Ralf) aufgetreten. Seine Musik hat mich damals sehr beeindruckt. Sie spielten eigentlich ausschließlich eigene Werke, der Sound war für meine Begriffe damals sehr modern. Nicht zu vergleichen mit dem üblichen Rock Sound – also keine verzerrte Brat- Gitarre, keine treibender und alles überdeckender Schlagzeug Sound, sondern eine durchsichtiges Klangbild, ästhetisch sehr angenehm. Aber auch keine Jazz-Standards mit den gängigen Harmonieklischees.

Bald durfte ich auch einer Probe lauschen. Sie spielten in Neuhaus in einem ehemaligen Ladenlokal gegenüber der Kirche. Einmal habe ich die drei auch mit Ferdi Heggeman am Fender Rhodes gehört. Lange musste ich mich daran gewöhnen, dass Ferdi eigentlich Gitarrist war und das Keyboardspielen zumindest in der Öffentlichkeit später nicht mehr gezeigt hat. Ich hatte immer gehofft, mal den Job von Ferdi übernehmen zu dürfen. Leider ist es nicht dazu gekommen…

In den folgenden Jahren habe ich Ralf immer wieder bei Konzerten in Paderborn getroffen und wir haben immer wieder gute Gespräche geführt. Ralf hatte einen sehr sicheren Geschmack und er konnte sofort unterscheiden, ob etwas gut oder weniger gut war. Dabei schaffte er es allerdings immer, eine ausgewogene Balance zu halten zwischen ehrlicher Meinung und deutlicher  Kritik („scharf“ zu kritisieren war aber nicht sein Ding). Wenn er etwas nicht so richtig toll fand, sagte er höchstens: („…war o.k.“). Wir haben auch gemeinsam eine ganze Reihe von Konzerten großer Stars besucht, wie z.B. Herbie Hancock, der sein Konzert unterbrechen musste, weil das Piano schlimm verstimmt war….

Neben seiner Musiker-Tätigkeit hatte er allerdings einen „ordentlichen“ Beruf und wirkte im Labors  des elektrotechnischen Instituts der Uni Paderborn. Daher war sein Interesse auch immer auf die technische Seite der Musik gerichtet: Er baute zahlreiche Verstärker für Gitarristen. Unter Experten hatten diese Geräte einen hohen Stellenwert (vgl. Toto). Hier lernte er auch Ralph Mantel kennen, bei dessen Mantel Band er immer wieder spielte. Meine letzten Erinnerungen an sein Gitarrenspiel stammen vom  Konzert der Mantel Band im Dezember 2012. Ralf spielte einige grandiose, bluesig – erdige Gitarrensounds.

Rainer Schallenberg schreibt über ihn:

…..Er war ein liebenswürdiger, kultivierter Mensch mit viel Charme, Wortwitz und Kreativität……

Das trifft es auf den Punkt, besser kann man Ralf nicht beschreiben.


Toto Blanke (nach einem Telefonat mit Toto)

… spielt elektrische Gitarre ausschließlich über Ralf Schalk Verstärker
… benutzt immer noch eine von Ralf designte PA-Anlage
Er war ein sehr guter Musiker, der das Zeug zum  professionellen Business hatte.
Ist mit ihm bei diversen Auftritte im Duo zu hören gewesen.
Ralf hat Toto häufig besucht. Dabei haben die beiden gerne Gitarrenmusik improvisiert.
Er war Linkshänder und spiele eine normale Gitarre. Allerdings vertauschte er die Seiten und drehte die Gitarre dabei um. Er konnte aber auch auf normalen Gitarren spielen.


Michael Boxberger, Berlin:

Ich habe ihn lange nicht gesehen, aber das Foto ist sehr schön, es zeigt seine Hingabe zur Musik. Ich behalte Ralf als einen besonderen Menschen in Erinnerung. Ja, die Einschläge kommen näher und man sollte jeden Tag mit Gesundheit genießen. Besser wird es wohl nicht mehr.


Heinz Funke

Durch eine frühere Kollegin (Rentner seit Dez.2006) bin ich erst jetzt auf die Home-Page des Jazz-Club`s Paderborn zum Gedenken an Ralf, aufmerksam geworden.
Mit Ralf habe ich über dreißig Jahre zusammen gearbeitet, und mit ihm mehr Zeit verbracht als mit meiner Frau; Ralf nannte uns immer „ein altes Ehepaar“. Auch nach der Uni-Zeit hatten wir noch engen Kontakt.
Alle zuvorgenannten nur positiven Charaktereigenschaften von Ralf kann ich nur bestätigen. Nie gab es auch nur ansatzweise zwischen uns Differenzen, im Gegenteil; fachlich haben wir uns auch bestens ergänzt. Ich bin stolz darauf mit Ralf zusammen gearbeitet zu haben. Ralf war nicht nur ein Kollege sondern ein guter Freund. Er war auch zusätzlich mein Ansprechpartner für meine eher bescheidenen Musikaktivitäten. Ich werde ihn stets in guter Erinnerung behalten.


Kalle Noltenhans

Erinnerungen an Ralf Schalk

Die Musik war der rote Faden in meiner 49 Jahre währenden Freundschaft mit Ralf Schalk, aber sie war nicht das wichtigste Element – das war die Freundschaft selbst. Meine „Vorredner“ haben die besonderen charakterlichen und individuellen Stärken und Eigenschaften von Ralf hervorgehoben. Dem möchte ich mich gerne anschließen, ohne die Aufzählung zu wiederholen.

Die Freundschaft war geprägt durch tiefes und sehr entspanntes Vertrauen, Verständnis und Toleranz.  Konkurrenz, Verstimmung, Ärger, Neid – das alles kam nicht vor. Obwohl Ralf der Jüngere war, konnte ich mich auf seinen Schutz und seine Vaterrolle verlassen, er hatte den breiteren Rücken. In ungemütlichen Situationen musste immer Ralf nach vorne – „Kneifen“ gab es für ihn nicht. Z.B: Verhandlungen um ausbleibende Gage. Auf Französisch telefonieren. In überlasteten Kneipen das „Frollein“ zum Kassieren ranwinken. Beschwerden vortragen.

Zum gegenseitigen Verständnis gehörte die gemeinsame Grundhaltung in vielen Dingen – Humor, Geschmack, Initiative, Bildungshorizont. Seine Positionen waren für mich oft der Fixpunkt im Wertesystem. Ralf hatte ein sehr feines und entwickeltes Gespür für Echtheit, Wahrheit, Aufrichtigkeit. Der Manufaktum-Spruch „es gibt kein wahres Kaufen im Falschen“ hätte von ihm stammen können. Auf diese Kompetenz habe ich mich immer verlassen. Was ich doof fand, und wir feststellten, er fand es auch doof (oder umgekehrt), dann war es doof. Einmal fuhren wir mit dem Auto durch den Großraum Hövelhof und kamen an einer Kneipe namens „Jägerstübchen“ vorbei. Unisono riefen wir aus: „Gägerstübchen“. Basis: gemeinsame Belustigung über die Tatsache, dass der westfälische Bauer oft kein J aussprechen kann.

Als Elektro-Ingenieur bewunderte ich Ralf immer wegen seines technischen Vorsprungs. Er konnte Verstärker bauen und Computer bedienen. Umso mehr strengte ich mich an, technisch mithalten zu wollen und in dieser Funktion von ihm anerkannt zu werden. Zudem war er ja ein Jahr jünger – ich betrachtete mich stets als der Senilere und technisch Inkompetentere. Daher freute ich mich immer, wenn ich ihm mit Computer-Schnickschnack imponieren konnte und dabei einen Achtungserfolgt einheimste. Musikalisch drifteten wir später auseinander. Er blieb (innerhalb des Jazz) mehr U, ich mehr E.

Die Realschul-Zeit

Ich kannte Ralf (erst!) seit 1964 – denn da wir beide aus Schloss Neuhaus kamen, hätten wir uns auch schon eher begegnen können. Er war aber eine Schulklasse später und gehörte damit einer anderen Generation an. In der städtischen Realschule (heute Fürstenberg-Realschule) begann diese Beziehung, weil er nach der vierten Volksschulklasse einstieg und ich nach der fünften. Ihm wurde immer  eine PESAG Bus-Monatskarte für 9,00 DM gegönnt, mir nur für 7,50 DM. Dafür durfte er legal bis zum Westerntor fahren, ich als Angsthase stieg am Neuhäuser Tor aus und ein, was Konsequenzen hatte für die Freizeitgestaltung nach der Schule in den späteren Schuljahren – in Oppa’s City-Express im Düstern abhängen, um dort Deep Purple, Easy Rider, Jimi Hendrix und die Doors zu hören.

Unter dem Eindruck der Mainstream-Jugendmusik der 1960er Jahre (Beatles & Co.) lag es nahe, eine Band zu gründen. Spielen konnte noch keiner, aber egal, eine materialisierte Laubsägen-Luftgitarre und ein Mikrofon ohne Verstärker taten es zu Playback-Musik vom Tonbandgerät (Die Cassette war noch nicht erfunden) auch, Ort: im heimischen Kinderzimmer. Kurze Zeit später kamen echte Wandergitarren mit autodidaktischer Ausbildung ins Spiel. Musiklehrer Charly Krüger machte es sich zur Gewohnheit, uns am Ende der Musikunterricht-Stunde aufzufordern „Schalk, Noltenhans, spielt noch ein Stück“. Und dann spielten wir Yesterday oder sowas.

1969 fand ein gemeinsam besuchtes Erweckungs-Erlebnis statt: Vor dem Paderborner Rathaus trat die Jimi-Hendrix/The Cream-Coverband „The Faces“ (später Manxome’s Theory) auf: „Krähe“ Peter Schopohl, „Baker“ Rolf Schopohl, Hannes Drüke und Peter Benstein. Diese absolut coolen Typen waren und blieben uns meilenweit voraus. Aber der Ehrgeiz trieb uns weiter an.

Die Meremusic-Zeit

Wir legten uns Imitate der Marke Hoyer zu: Ralf eine schwarze Les Paul, ich einen Telecaster-Bass. In Frans van Koppen (ebenfalls Realschule) fanden wir einen leistungsstarken und Organisations-talentierten Drummer, der sogar mutig genug war, mit 17 ohne Führerschein den elterlichen Ford 20M Combi illegalerweise zu den Auftritten zu steuern. Frans hatte als Niederländer die Connections nach Holland: 1970 wandelte Meremusic auf den Spuren des legendären John Mayall, der auf einer England/Holland-Tournee in Schiedam Station gemacht hatte – und wir auch, gleich nebenan, nur kurze Zeit später. Wow, der Beginn einer steilen Karriere?

Während ich mich ins berufliche Abseits begab (Städtische Handelslehranstalten, Ausbildung Industriekaufmann), schlug Ralf den für ihn richtigen Weg ein: Lehre als Elektroniker (oder so ähnlich) bei Nixdorf, zwei Industrie-Berufsjahre, dann Studium der Elektrotechnik an der Uni Paderborn mit lebenslangem Verbleib dort. Er hat nur ein einziges Mal das Büro gewechselt – ca. 20 Meter weiter !)

Als Meremusic startete, war unser Interesse an Rock und Pop schon beendet. Wir fingen mit Blues an und verschrieben uns dem ab den frühen 1970er Jahren aufkommenden Jazz-Rock / Rockjazz : Sehr modern, sehr offen, sehr vielversprechend und entwicklungsfähig. Elektronik war wichtig. Ralf war zuständig für den Zusammenhalt der Gruppe, für das Komponieren der Stücke (er hatte ein unglaubliches Talent dazu. Schade, dass wir nicht von einem Profi produziert wurden), für die Aquise von Auftritten und für die Gestellung des Proberaums in einem ehemaligen Tabakgeschäft in der Neuhäuser Kirchstraße 1 – wo er auch (oben) wohnte. Ich war zuständig für das Bass-Spielen. Ralf musste mir die „Noten“ in Buchstaben! aufschreiben, die ich bei den Auftritten auf den Boden legte und abspielte. Dafür durfte ich Ansagen und Gags verbreiten und Fotos schießen, was mir eigentlich immer besser gefiel als das eigentliche Spielen.

Unsere Inspiration holten wir uns

  • An gemeinsamen Tee-Abenden, Dienstags zur WDR-Radioserie „In-Between“, in der Michael Rüsenberg die neuesten Jazz-Rock-Scheiben vorstellte
  • Bei Besuchen in Heinz Röpers Galerie-Club am Tegelweg, in dem ein für Paderborner Verhältnisse über den Galeriebetrieb weit hinaus gehendes gutes Kulturprogramm geboten wurde: z.B. der Auftritt der Wittener Gruppe Franz K., z.B. Live-Präsentation von Switched-on-Bach auf einem echten Moog-Sythesizer aus Holz, um nur die Musik zu nennen. Ein richtiger Club eben wie in London.
  • Auf einer 10-Tage London-Reise mit der Bahn. Dort tagsüber Nase-Plattdrücken an den Schaufenstern der Gitarrengeschäfte auf der Shaftsbury Avenue und abends Konzerte im Marquee Club.
  • Bei ungezählten Wochenend-Aufenthalten mit Familien-Anschluss in Rotterdam zu Zeiten der Ölkrise in den gnadenlos modernen und amerikanisierten Niederlanden mit live Free Jazz und Platten-Kaufen und Rumlungern in den Musikgeschäften Saris Rotterdam und Servaas Den Haag.
  • In gemeinsamen Familienurlauben in Frankreich und Dänemark. Die Gitarren waren oft dabei: Einer hatte Lust zu spielen und der andere nicht. Who was who?

Neben dem „Markenkern“ Schalk/Noltenhans wurde Meremusic von lokalen Freunden in verschiedenen Zeitabschnitten mitgetragen: Ferdi Heggemann (Fender Rhodes), Peter Junker, Norbert Nowak, Dino Nowak (Drums), Projekt-Musiker waren u.a. Martin Casey, Peter Bölte (Sax) und einige, die chemisch nicht zu uns passten und an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere.

Es ging mit mir zurecht nicht mehr weiter. Ich hatte nie Lust zu üben gehabt, ich konnte keine Noten lesen, ich hatte live Blackouts. 1990 wurde mir mein Nachfolger bei Meremusic vorgestellt : der exzellente Klaus Kappmeier – und ich fühlte mich mit dem Rausschmiss regelrecht erlöst. Klaus kaufte mir mein ganzes Gedöns ab.

Nach 1990

Nach Meremusic blieb ich der Band verbunden mit medialen Diensten: Fotos, Texte, Plakate. Ralf wechselte noch mal aus: Nach Kappmeier, der aus Karrieregründen fortging, kam Michael Schäfer (ca. 1994). Dann wurde Meremusic aufgelöst und Ralf schloss sich anderen Gruppierungen an, die nicht mehr unter seiner alleinigen Regie liefen:

  • das APO-Trio mit Achim Pollmann und einer Schönheit namens Tanja (Voc)
  • RSQ (Schallenberg, Lettermann, Bürger)
  • Mantelband (Mantel, Krähe, Driesner)

Die Mantelband

Musikalisch gesehen war Ralfs Engagement in der Mantelband das Beste, was ihm als Amateurmusiker passieren konnte. Raus aus der Verantwortung (er hatte in anderen Bereichen genug Verantwortung zu tragen), sehr liebe und in wahrer Freundschaft verbundene Bandkollegen, ein beim Publikum gut akzeptiertes musikalisches Nischenprogramm, wirklich gute Mit-Musiker, überragt vielleicht durch das phänomenale Gesangsvermögen von „Krähe“ Peter Schopohl. Ich durfte die Homepage der Mantelband gestalten (leider wieder offline) und mich mit Fotos und Texten austoben.

Am Sonntag, 3. Februar habe ich Ralf zum letzten Mal getroffen, am 10. Februar zum letzten mal gesehen.

1 Comment

  1. Philip Schalk sagt:

    Ich würde gerne alte Fotos von ihm „einsammeln“. Wer welche hat, bitte schickt Sie mir per E-Mail: philip.schalk@gmx.de
    Eure Kommentare sind sehr berührend. Ich bin froh, dass es diese Seite gibt. In bestimmten Momenten tut es gut, auf dieser Seite hier zu lesen.
    Ich war leider die meiste Zeit zu jung, um seine Musik zu mögen. Das kam erst gegen Ende. Er hat mich nie gedrängt mich mit (seiner) Musik zu beschäftigen oder selbst welche zu machen. Er hat einen immer machen lassen.

What do you think?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *