Norbert Dömling’s Flying Spices

RückBlick von Benny Düring

Weltklasse im Deelenhaus – Norbert Dömlings Flying Spices mit Tony Lakatos

Mit Norbert Dömlings Flying Spices war im Deelenhaus ein Quintett zu erleben, das Jazz nicht als Stilform begreift, sondern als offene Sprache: beweglich, farbenreich, durchlässig für Fusion, Weltmusik und improvisatorische Freiheit. Norbert Dömling, der große Klangarchitekt am Bass, hatte mit seinen Flying Spices eine Formation versammelt, die vom ersten Ton an zeigte, wie lebendig und gegenwärtig Jazz klingen kann – präzise, offen, hochmusikalisch. Dömlings Kompositionen boten dafür das ideale Material: melodisch, rhythmisch raffiniert, mit Ecken, Kanten und viel Raum für individuelle Handschriften. Was diese Band daraus machte, war ein Lehrstück in musikalischer Kommunikation. Man hörte einander zu, reagierte, kommentierte, trieb an, fing auf – ein echtes Ensemble im besten Sinn.

Doch bei aller Klasse dieser Band war der herausragende Star des Abends ohne Zweifel Tony Lakatos.

Sein Auftritt war weit mehr als ein Gastspiel eines großen Saxophonisten. Es war ein Wiedersehen. Ein Wiedersehen mit einem Musiker, der in Paderborn nicht nur frühe Spuren hinterlassen hat, sondern für viele in der Szene prägend wurde. In den achtziger Jahren kam Tony Lakatos als 17-Jähriger aus Ungarn nach Paderborn. Rasch wurde Toto Blankes Electric Circus zu seiner musikalischen Heimat. In den Anfangstagen des Jazzclubs war Lakatos regelmäßiger Gast bei den Sessions – und schon damals umwehte ihn jene Selbstverständlichkeit des Könnens, die man nur bei Ausnahmemusikern findet. Was ihn von Beginn an so besonders machte: Diese Weltklasse-Professionalität war nicht das Resultat später Reife, sie war bereits da. Schon als junger Musiker spielte Lakatos mit jener Souveränität, jener klanglichen Autorität und jener technischen Reife, die ihn früh zum Maßstab machte. Für viele der Paderborner Szene wurde er damals zum Vorbild – nicht nur wegen seines Könnens, sondern wegen seiner Haltung zum Musikmachen.

Dass aus diesem frühen Ausnahmetalent ein Musiker von internationalem Rang werden würde, war an diesem Abend nicht nur hörbar, sondern beinahe physisch spürbar. Lakatos gehört heute zur Weltelite des Jazz-Saxophons. Sein Ton besitzt diese seltene Mischung aus Kraft und Eleganz, aus Glut und Kontrolle. Auf Tenor wie Sopransaxophon formt er Linien von atemberaubender Selbstverständlichkeit – mal lyrisch und von fast schwebender Schönheit, mal mit eruptiver Energie und schneidender Präzision. Jeder seiner Soli hatte Richtung, Erzählkraft, innere Dramaturgie. Lakatos spielte nicht bloß improvisierte Bögen – er erzählte. Und wie er erzählte. Mit Wärme, Wucht, Witz und Weltläufigkeit.

Seine spätere Station bei der hr-Bigband war da nur folgerichtig. Von 1993 bis 2021 war Tony Lakatos prägende Stimme dieses Weltklasse-Orchesters, einer der herausragenden Solisten der deutschen Jazzszene. Die Verabschiedung in Frankfurt geriet folgerichtig zum großen Bahnhof. Doch „Ruhestand“ ist bei Tony Lakatos ohnehin nur eine biografische Fußnote. Wer ihn an diesem Abend hörte, wusste sofort: Hier spielt keiner, der verwaltet, was war. Hier steht ein Musiker auf der Bühne, der mitten im internationalen Geschehen steht. Lakatos ist auf den großen Bühnen der Welt zu Hause, konzertiert weltweit, spielt mit den Besten – und demnächst geht es bereits wieder auf Korea-Tournee. Von wegen Ruhestand.

Dass sich ein Musiker dieser Größenordnung in ein Ensemble wie Flying Spices so organisch einfügt, spricht nicht nur für seine Klasse, sondern auch für die Qualität dieser Band. Stephanie Wagner setzte mit Flöte und Bassflöte leuchtende, schillernde Farben, Manuel Seng gestaltete am Piano klug, sensibel und harmonisch brillant, Andreas Neubauer gab dem Ganzen am Schlagzeug Elastizität, Drive und Form. Und über allem: Norbert Dömling, dessen Spiel am Bass das Zentrum dieser Musik blieb – gelassen, präsent, gestaltend. Er führte nicht, indem er dominierte, sondern indem er Räume schuf. Gerade darin lag die Größe dieses Konzerts.

Am Ende stand ein Abend, der weit mehr war als ein exzellentes Jazzkonzert. Es war ein Abend der Erinnerung und der Gegenwart, des Wiedersehens und der Bestätigung. Ein Abend, an dem sich zeigte, wie eng musikalische Biografien, Orte und Geschichten miteinander verwoben sein können. Und ein Abend, an dem Tony Lakatos eindrucksvoll bewies, dass Weltklasse nicht nur ein Etikett ist, sondern ein Zustand.

DIE ANKÜNDIGUNG:

Musikalische Herzenslust live

Am 25. April 2026 verwandelt sich das Deelenhaus Paderborn in einen Ort lebendiger Jazzkultur und kreativer Klangfreude. Zu Gast ist das Norbert Dömling Quintett – eine Formation, die nicht nur durch technische Virtuosität, sondern vor allem durch ihre intensive musikalische Kommunikation besticht. Ganz besonders freuen wir uns auch auf Tony Lakatos, den mittlerweile international gefragten Saxophonisten.

Norbert Dömling und Tony Lakatos waren Weggefährten des legendären Paderborner Gitarristen und Bandleaders Toto Blanke.

Die Kompositionen des Ensembles erzählen Geschichten – mal zart und melodisch, mal kantig und fordernd. Sie sind geprägt von Dömlings Leben, seinen Erlebnissen und Beobachtungen, gespeist aus einem reichen Erfahrungsschatz zwischen Jazz, Klassik, Fusion, Weltmusik und mehr. Doch was diese Musik so besonders macht, ist das Miteinander-Hören, Reagieren und Gestalten. Kein Stück gleicht dem anderen – alles entsteht neu im Moment.

Das Quintett versteht sich als ein Ort der musikalischen Freiheit. Es lebt von der Lust am Interpretieren und Improvisieren, getragen von gegenseitigem Respekt und echter Spielfreude. Nach Jahren kleinerer Formationen erfüllt sich Dömling mit dieser Band auch einen persönlichen Wunsch: endlich wieder im größeren Ensemble auf Tour zu sein – mit einer Band, die seine Vision von moderner, lebendiger Jazzmusik teilt und mit Leben füllt.

Die Veranstaltung wird gefördert vom Kultursekretariat NRW Gütersloh und
durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-
Westfalen.

LINEUP:

Tony Lakatos // Sax
Stephanie Wagner // Flute
Manuel Seng // Piano
Andreas Neubauer // Drums
Norbert Dömling // Upright Bass, Composition